telepolis, 15.08.2004
Eine Menge wurde über die geheimen Experimente geschrieben, die die CIA während der Fünfziger und frühen Sechziger mit psychoaktiven Drogen, insbesondere LSD, durchgeführt hat. Diese Projekte namens "Bluebird", später "Artichoke" und "MKULTRA" testeten den möglichen Einsatz zur Bewusstseinskontrolle und als Wahrheits-Serum. In zahlreichen Fällen wurden unwissenden Versuchspersonen diese Drogen verabreicht allein um zu beobachten, was passieren würde. Zu diesem Zweck führte die CIA sogar ein Bordell. Diese ziemlich anarchischen Aktivitäten im Rahmen des Kalten Krieges wurden in den Siebzigern öffentlich bekannt. Der Fall von Frank Olson, der kurz nachdem er LSD verabreicht bekommen hatte aus einem Fenster sprang oder geworfen wurde und starb, geriet ins Zentrum vieler Spekulationen. Außerdem wurde ein erheblicher Teil der umfangreichen wissenschaftlichen Forschung an LSD während dieser Zeit durch getarnte CIA-Fonds subventioniert.
Weniger bekannt ist die Tatsache, dass die US-Armee ihr eigenes chemisches Forschungszentrum hatte, das Edgewood Arsenal nordöstlich von Baltimore, wo sie auf wissenschaftlicher Basis eine Reihe von psychoaktiven Substanzen und ihre Anwendung als handlungsunfähig machende Wirkstoffe testete, darunter BZ und andere Belladonnoid-Glycolate und LSD.
Der Psychiater James S. Ketchum hat tatsächlich dort gearbeitet und den ersten umfassenden Bericht darüber geschrieben, was dort in den Sechzigern geschah. Sein kürzlich im Selbstverlag in Englisch veröffentlichtes autobiographisches Buch "Chemische Kriegsführung. Fast vergessene Geheimnisse. Eine persönliche Geschichte der Medizinischen Tests an Armee-Freiwilligen mit handlungsunfähig machenden chemischen Wirkstoffen während des Kalten Krieges (1955-1975)" ist, reich bebildert und mit einzigartigen wissenschaftlichen Daten und Dokumenten bezüglich einiger ziemlich obskurer Substanzen vervollständigt, eine wahre Fundgrube sowohl für Sechziger Jahre-Historiker als auch Psychoaktiva-Afficionados.
Frage: Viele Menschen fürchten sich mehr vor psychoaktiven Substanzen, wenn sie als Waffen benutzt werden um Feinde in einer Kriegssituation handlungsunfähig zu machen, als vor den "traditionellen" Waffen, Kugeln, Granaten und Bomben, die schwere körperliche Verletzungen oder den Tod sowohl von Soldaten als auch Zivilisten verursachen. Wie erklärst du dir diesen offensichtlichen Widerspruch?
James S. Ketchum: Meinem Gefühl nach hat die Öffentlichkeit im Angesicht exzessiver Geheimniskrämerei ein Mißtrauen gegenüber Regierungsabsichten entwickelt und wird dadurch von Kritikern in den Medien leicht dazu verführt zu glauben, dass jeder Gebrauch einer Chemikalie als Waffe zwangsläufig grausam und unmoralisch sei. Mangel an Wissen über handlungsunfähig machende Substanzen ist ein weiterer wichtiger Grund. Chemische Kriegsmaterialien mit geringem Tötungsrisiko werden unangebracht als Massenvernichtungswaffen klassifiziert. Das allgemeine Versäumnis, diese Unterscheidung zu treffen, ist bedauerlich. Es ähnelt dem Fehler Marijuana nicht von wirklich schädlichen Drogen wie Kokain und Heroin (ganz zu schweigen von Alkohol und Tabak) zu unterscheiden.
Frage: Von 1955 bis 1975 wurden insgesamt 3200 Freiwillige chemischen Wirkstoffen ausgesetzt, die ihnen zum Zwecke militärischer Forschung verabreicht wurden. Wie müssen wir uns vorstellen, was im Edgewood Arsenal geschah?
James S. Ketchum: Ich denke, das Bild sollte eines von ernsthafter Forschung sein, die mit bereitwilligen Freiwilligen gemacht wurde, mit dem Ziel angemessene Abwehrmöglichkeiten gegen möglicherweise einsetzbare chemische Waffen zu finden, indem man ihre Wirkungen auf den Menschen in einer Laborumgebung studierte, die darauf angelegt war, Sicherheit zu gewährleisten und widrige Wirkungen zu minimieren. Ein zweites Ziel war es alternative, humanere Waffen zu liefern, um bestimmte Missionen mit minimaler Todesrate durchführen zu können.
Frage: Du hast ausführlich BZ und andere Belladonnoide untersucht, die ähnlich den Nachtschatten-Alkaloiden Atropin und Skopolamin wirken, aber viel länger, 72 Stunden und mehr. Die Menschen unter ihrem Einfluss tendieren dazu lächerliche und sinnlose Dinge zu tun, zumindest aus Sicht eines Beobachters, und erinnern nicht viel, wenn sie wieder in die Normalität zurückkehren. Hast du jemals länger anhaltende Komplikationen nach den kontrollierten Tests mit den Belladonnoiden oder LSD beobachtet oder davon gehört?
James S. Ketchum: Ich weiss, dass einige Veteranen heute behaupten, 30 bis 50 Jahre nach einem kurzen Kontakt als Freiwilliger mit einer oder mehrerer Chemikalien in Edgewood, dass sie in Folge eines unerwarteten verzögerten toxischen Effektes auf Grund ihrer damaligen chemischen Erfahrung verschiedene Krankheiten entwickelt hätten. Wie auch immer, umfassende Nachuntersuchungen 1980 (für LSD) und 1982 (für Belladonnoide) haben keinen signifikanten Anstieg der Erkrankungsziffer oder der Sterblichkeit unter früheren Freiwilligen festgestellt, die eine Substanz erhielten, gegenüber denen, die keine bekamen. Man kann etwas Negatives niemals beweisen, aber es wäre meiner Ansicht nach bemerkenswert, wenn eine winzige Dosis einer Droge, die während der medizinischen Auswertung zwei Wochen nach der Zufuhr keine schädlichen Wirkungen erkennen ließ, auf irgendeine Weise Jahre später Schäden verursachen würde. So ist zum Beispiel nichts über verzögerte Schäden als Folge des persönlichen Gebrauchs von LSD in höheren Dosierungen oder größerer Frequenz, als wir sie getestet haben, bei diesen Konsumenten bekannt. (Geschätzte 10% der US-Bevölkerung haben LSD zumindest einmal genommen.) LSD ist heute nach wie vor als Freizeit- und psycho-spirituelle Droge beliebt.
Frage: Hat irgendjemand die Belladonnoid-Erfahrung genossen?
James S. Ketchum: Ein Individuum, ein früherer Heroin-Süchtiger,
erlebte einen ruhigen, angenehmen Zustand nach einer handlungsunfähig
machenden Dosis Atropin. Tatsächlich sagte er, die beiden Drogen fühlten
sich ähnlich an. Wie auch immer, im Allgemeinen fanden die Freiwilligen,
die Belladonnoid-Drogen erhielten (im Gegensatz zu dem manchmal Euphorie hervorrufenden
LSD) kein Vergnügen an den frühen Wirkungen der Droge, hauptsächlich
auf Grund der Ruhelosigkeit, die große Dosierungen während der Anfangsphase
meist bewirken. Im Anschluss an die Erholungsphase erinnerten die Probanden
allerdings meist kein ernsthaftes Unbehagen mehr, und einige fühlten sich
sogar belebt.
Wie ich in meinem Buch herausstelle, wurde Atropin um 1950 herum
in der "Koma-Therapie" in
den USA, Japan und Polen (und vielleicht noch woanders) in Dosierungen bis
zu 20 mal so hoch wie die handlungsunfähig machende Dosis benutzt. Es
wurde psychiatrischen Patienten verabreicht, ohne dass es zu drogenbedingten
Todesfällen oder bleibenden Hirnschäden kam. Ein hoch qualifizierter
Akademiker, der als von schweren Zwangsvorstellungen geplagter Arzt beschrieben
wurde, war in der Lage, in verbessertem Zustand erfolgreich in seine Praxis
zurückzukehren nachdem er ein Dutzend oder mehr Behandlungen mit Atropin
in Dosierungen von 50 bis 200 mg erhalten hatte (4 - 16 mal so hoch wie die
höchste Dosis, die wir jemals unseren Freiwilligen verabreicht haben).
Auch wenn sie üblicherweise nicht genossen, bis zu 72 oder 96 Stunden
lang delirös zu sein, so waren zumindest ein Dutzend der Freiwilligen
bereit, den Test (ohne irgendeinen Zwang) zu wiederholen. Ich fragte eine Versuchsperson,
was er dafür verlangen würde, wenn wir ihm anbieten würden,
ihn dafür zu bezahlen, eine zweite Dosis zu nehmen, und er antwortete
nach einigem Nachdenken: "Etwa 25 Dollar".
Frage: Was sind die hauptsächlichen Risiken des Gebrauchs von Belladonnoiden als handlungsunfähig machende Wirkstoffe?
James S. Ketchum: Wie ich es sehe, bestehen zwei Gefahren: Erstens kann in einer heißen Umgebung ein Hitzschlag drohen, wenn nicht rechtzeitig Behandlung erfolgt; zweitens könnte desorganisiertes Verhalten, besonders nach Wiedererlangen der Bewegungsfähigkeit, zu unbeabsichtigten Verletzungen und Tod führen. In beiden Fällen sind strenge medizinische Überwachung und unverzügliche Behandlung die Schlüssel um solche Probleme zu verhindern, wenn sie bevorzustehen scheinen.
Frage: Die Armee hat große Mengen BZ hergestellt. Was für eine Art von Szenario könnte das Vorspiel für den Einsatz von BZ als psychochemischer Waffe gewesen sein?
James S. Ketchum: Ich denke, BZ (oder jedes andere Belladonnoid) könnte nur effektiv sein, wenn es in einem definierten, vorzugsweise beschränkten Gebiet eingesetzt werden würde, aus dem ein Entkommen verhindert werden kann, und ausreichend Zeit besteht um die erwünschten Wirkungen zu erreichen. Wenn zum Beispiel feindliche Kämpfer eine Botschaft besetzen würden, könnten BZ-artige Wirkstoffe benutzt werden, um es sicherer zu machen einzudringen und Geiseln zu befreien, während man gleichzeitig die "Übeltäter" festnimmt. Logistische und operative Entscheidungen würden taktische Experten erfordern, um die Details auszuarbeiten. Ich persönlich würde nicht vorschlagen, solch eine Waffe für den Gebrauch durch den normalen Soldaten zur Verfügung zu stellen, außer er hätte eine umfassende Spezialausbildung erhalten.
Frage: Ihr habt den Gebrauch des Kalabarbohnen-Alkaloides Physostigmin als ein effektives Gegenmittel um die Belladonnoid-Wirkungen zu verkürzen wiederentdeckt, eine ziemlich interessante Errungenschaft. Wurden im Edgewood Arsenal noch andere wissenschaftlich wertvolle Entdeckungen gemacht?
James S. Ketchum: Ich denke, dass die systematische Charakterisierung verschiedener Belladonnoid-Wirkstoffe (und einiger anderer) eine akademische Basis bietet, um für diese Substanzen Struktur-Aktivitäts-Beziehungen in einem Maß abzuleiten, wie es zuvor nicht möglich war, außer für Tiere. Die Entwicklung des ersten zuverlässigen Bluttestes für LSD und das Herausfinden, dass Thorazin-artige Drogen hier als Behandlung ungeeignet sind, sind andere Beispiele. Viele neue Evaluations- und Test-Prozeduren wurden erarbeitet, die bei zukünftigen Humanstudien an Freiwilligen behilflich sein könnten.
Frage: Wie verliefen die LSD-Trips in der kontrollierten Umgebung eines Armee-Forschungslabors? Wurden zumindest einige der Versuchspersonen während ihrer Trips spirituell beeindruckt oder erleuchtet?
James S. Ketchum: Es ist schwer zu sagen. Wir waren hauptsächlich an
den Leistungsänderungen unter verschiedenen Dosierungen interessiert.
Auf Grund sorgfältiger Auswahl und Vorbereitung sowie ausreichend Zeit,
um mit dem Personal und den anderen Freiwilligen vertraut zu werden, fühlten
sich die Versuchspersonen in der Testsituation normalerweise wohl. Wir beobachteten
viele Variationen in den Details ihrer Reaktionen, aber wenige schlechte Trips.
Ich beobachtete eine vorteilhafte Veränderung im Selbstbild eines Soldaten
nachdem er das, was ein schlechter Trip zu sein schien, mit seinen Kameraden
diskutiert hatte. Sie boten ihm Unterstützung, und er war in der Lage,
seine Sorgen bezüglich seiner sexuellen Fantasien gegenüber den Krankenschwestern
zu offenbaren, was seine Angst linderte. Als er in seine Heimat-Einrichtung
zurückgekehrt war, erfuhren wir indirekt, dass seine Persönlichkeit
weniger introvertiert geworden war und seine sozialen Kompetenzen sich verbessert
hatten.
Weil es unsere Absicht war, Veränderungen in der Leistungsfähigkeit
zu messen und nicht persönliche Erleuchtung, ist es schwer zu sagen, welche
persönlichen Vorteile in der spirituellen Dimension stattgefunden haben
mögen. Es wäre schön, glauben zu können, dass sie zumindest
in einigen Versuchspersonen auftraten, aber wir haben zu diesem Aspekt keine
systematischen Daten gesammelt.
Frage: Hattet ihr irgendeine Medikation um einen angsterfüllten und erschreckenden LSD-Trip zu beenden oder abzukürzen?
James S. Ketchum: Wie erwähnt, waren schlechte Trips selten. Ich kann mich nicht erinnern, bei den Versuchspersonen, die ich getestet habe, jemals Tranquilizer (wie Valium oder ein Barbiturat) geben zu müssen, aber da einige der Tests von anderen Ärzten überwacht wurden, kann ich keine definitive Antwort geben. Natürlich hätten wir ein Beruhigungsmittel verabreicht, wenn eine wirklich verstörende Wirkung aufgetreten wäre. Wie auch immer, die Dosierungen des LSD waren normalerweise klein oder moderat (das heißt 50-150 mcg), und panische Reaktionen treten in diesem Dosisbereich selten auf.
Frage: Was habt ihr über die Einsatzfähigkeit von LSD in einer Kampfsituation
herausgefunden?
James S. Ketchum: Ich beobachtete, dass bei einem Test, der an der chemischen Forschungsanstalt in England in Porton Down gefilmt worden war, bei einer trainierten Gruppe britischer Kommandos LSD in Dosen von 150 mcg totale Desorganisation hervorrief. In sowohl den britischen als auch den amerikanischen Tests mit LSD wurden keine gewalttätigen Aggressionen beobachtet. Höhere Dosierungen tendierten allerdings dazu, mehr Reizbarkeit und verbale Feindseligkeit hervorzubringen. Mein Hauptbedenken bezüglich der Einsatzfähigkeit von LSD in einer Kampfsituation wäre der Verlust an Hemmungen und Disziplin. Weil der Betroffene noch in der Lage sein mag, Waffen abzuschießen oder Raketen abzufeuern. LSD würde gegen schwer bewaffnete Gegner eine gefährliche Wahl darstellen. Die Kommandeure am Edgewood Arsenal empfanden ebenso, und LSD wurde niemals zur Bewaffnung zugelassen.
Frage: Seltsamerweise schafftest du es von 1966 bis 1968 eine zweijährige Studienphase an der Stanford Universität einzuschieben und hast so die Chance erhalten, den "Sommer der Liebe" in San Francisco persönlich zu bezeugen. Du hast sogar an der Haight-Ashbury Free Clinic gearbeitet. Wie hast du den "Sommer der Liebe" erlebt? Was hast du über diese jungen Leute gedacht, die einige der Drogen nahmen, die du als handlungsunfähig machende Wirkstoffe getestet hattest, insbesondere LSD?
James S. Ketchum: Ich war fasziniert vom Sommer der Liebe und schaffte es
einige Male von Palo Alto nach San Francisco zu fahren und ihn aus erster Hand
zu beobachten. Indem ich eine Nacht in der Woche als freiwilliger Arzt in der
Klinik arbeitete, begegnete ich einer ziemlichen Vielfalt an LSD-Reaktionen.
Ich versuchte außerdem mit einigen wenigen Individuen auf einer wöchentlichen
Basis Psychotherapie zu machen. Es war mein Eindruck, dass diese frühen
Hippies oft spirituell veranlagt waren und LSD für Einsicht und Selbst-Erleuchtung
nutzten. Unglücklicherweise nahmen sie es manchmal zur falschen Zeit und
am falschen Ort und oft in exzessiv hohen Dosen, was zu einer Welle von Notaufnahmestationsbesuchen
führte.
Ich glaube nicht an die Sinnhaftigkeit einer Politik, die es Privatpersonen
verbietet psychedelische Drogen einzunehmen, aber ich empfehle kenntnisreiche
Supervision und gebührende Absichten. Wie auch immer, der Gebrauch bewusstseinsverändernder
Drogen durch Teenager ist nicht ratsam und sollte aus Gründen der psychischen
Gesundheit mißbilligt werden; Drogen können das Lernen beeinträchtigen
und das Studium durch "High werden" ersetzen, sich der Zeit und
des klaren Verstandes für mehrere Stunden bemächtigen. Medizinische
Behandlung für die, die nicht vom Drogenmißbrauch Abstand nehmen
können, macht für mich viel mehr Sinn als Gefängnis, außer
im Falle der Individuen, die sich auf gefährliches antisoziales Verhalten
einlassen oder Anderen Schaden zufügen.
Frage: In den Sechzigern begann die Einnahme psychoaktiver Substanzen zur
Unterhaltung Bestandteil westlicher (Jugend-)Kultur zu werden. Was denkst du,
wie wir mit diesem Phänomen umgehen sollen?
James S. Ketchum: Die Politiker unseres Landes haben die negativen Auswirkungen von Drogen bis zu dem Punkt propagiert, an dem wir tausende ansonsten unschuldiger Individuen einsperren und Milliarden ausgeben um Drogen unerhältlich zu machen. Diese Strategie hat tatsächlich unsere Probleme verschlimmert, Kartelle bereichert, Morde gefördert und Geld aus unserer Ökonomie abgezogen, das besseren Zwecken gedient haben könnte. Von allen drogenbedingten Todesfällen, so schätzt man, werden 99 Prozent durch Zigaretten und Alkohol bedingt, während die den illegalen Drogen zuzuschreibenden Todesfälle nur 1 Prozent umfassen. Diese Strategie der Prävention zu überdenken und bessere Erziehung und attraktive Optionen zum Drogengebrauch zu bieten, würde gleichzeitig rationaler erscheinen und eine weniger kostspielige Herangehensweise an Drogenmißbrauchsprobleme darstellen.
Frage: Was denkst du im Rückblick über die Moralität und den Nutzen deiner Arbeit am Edgewood Arsenal?
James S. Ketchum: Ich war stolz auf die Arbeit, die wir in Edgewood machten,
und glaubte, sie wäre moralisch gerechtfertigt, insbesondere im Kontext
der Zeit. Wir befanden uns inmitten eines Kalten Krieges, dessen zukünftige
Ausrichtung ungewiss war. Nichtsdestotrotz war es unsere Absicht, chemische
Methoden der Schadensbegrenzung zu finden. Wir taten alles, was wir konnten,
um wahre Informationen für mündige Entscheidungen zu liefern. Als
abschließende Überlegung sollte die Wichtigkeit zu Lernen, wie man
die Drogen, die wir studiert haben, behandelt und sie, wenn notwendig, einsetzt,
gegen das minimale Risiko der Schädigung der Freiwilligen abgewogen werden.
Risiken sind jedem Experiment inhärent. Die Soldaten, die an unseren
Studien teilnahmen, verrichteten einen wichtigen Dienst für ihr Land und
sollten geschätzt werden für ihre Bereitwilligkeit Risiken einzugehen
im Interesse der nationalen Verteidigungsfähigkeit im Falle einer psychochemischen
Kriegsführung. Insofern da wir alles taten, was wir konnten, um die Tests
so sicher wie möglich zu machen und uns um Zustimmung auf Basis wahrer
Informationen bemühten (trotz Behauptungen des Gegenteils), glaube ich,
dass unsere Arbeit tatsächlich ethisch war.
Das Buch:
James S. Ketchum
Chemical Warfare. Secrets almost forgotten.
A Personal Story of Medical
Testing of Army Volunteers with Incapacitating Chemical Agents During the Cold
War (1955-1975)
Foreword: Alexander Shulgin
Hardcover, Großformat, 360 S., zahlreiche
Abb.
Santa Rosa, California 2006
49.95 US-Dollar
ISBN 978-1-4243-0080-8
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