Rezension Harry G. Frankfurt – Bullshit

Salvia divinorum

HanfBlatt Nr. 101

Darf man dieses Buch verschenken? Leicht könnte sich der Beschenkte der Laberei beschuldigt fühlen, aber schon Design und Haptik des kleinen Bändchens aus dem Suhrkamp-Verlag lassen den guten Willen des Schenkers erkennen. Der amerikanische Philosoph und Professor an der Universität Princeton Harry G. Frankfurt weiß, was Bullshit ist. In einem kurzen Essay klärt er die folgenden Fragen: Sind Bullshit und Humbug das gleiche? Wie unterscheidet sich der Bullshit von der offenen Lüge? Man greift den Worten des Professors nicht zuweit vor, wenn man sagt: Die Lüge unterscheidet sich vom Bullshit durch das unterschiedliche Verhältnis zur Wahrheit. Während die Lüge das Gegenteil der Wahrheit ist, bleibt sie dem Bullshitter schlicht gleichgültig. „Der Bullshitter“, so schreibt Frankfurt, „weist die Autorität der Wahrheit nicht ab und widersetzt sich ihr nicht, wie es der Lügner tut. Er beachtet sie einfach gar nicht.“
Zusätzlich klärt der Mann auch noch die Frage, warum es heute soviel Bullshit gibt. Bullshit sei immer dann unvermeidbar, „wenn die Umstände Menschen dazu zwingen, über Dinge zu reden, von denen sie nichts verstehen“. Und wie sollte das bei der Komplexität der Welt auch anders ein, könnte man hinzufügen.
Leider streift Frankfurt den Zusammenhang von Bullshit und Humor nicht, gleichwohl: Insgesamt ein erhellendes, gewitztes, anspruchsvolles und damit rundum empfehlenswertes Werk. Kein Scheiß.

Harry G. Frankfurt: Bullshit
Aus dem Englischen von Michael Bischoff
Suhrkamp Verlag, Frankfurt a. M. 2006
73 Seiten, gebunden
ISBN: 3518584502
8,– EUR

Veröffentlicht von

Jörg Auf dem Hövel (* 7. Dezember 1965) ist Politikwissenschaftler und arbeitet als freier Journalist u. a. für die Telepolis, den Spiegel und Der Freitag.

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