Rezension T.C. Boyle – Drop City

HanfBlatt Nr. 101

T.C. Boyles Affinität zu Drogengenießern und Randgruppen ist seit „Grün ist die Hoffnung“ bekannt, nun ist mit „Drop City“ sein äußerst gelungener Roman über eine Hippie-Kommune als preiswertes Taschenbuch erschienen. Eine liebenswerte Horde von ständig bekifften und trippenden Hippies übt im sonnigen Kalifornien im Jahre 1970 das naturnahe Leben. Das ohnehin wacklige Gefüge gerät aus den Fugen, als die Polizei das Grundstück schließen will, ein Kind Orangensaft mit LSD-Zusatz trinkt und schließlich der bärtige Ober-Hippie ein Pferd überfährt und eine Massenkarambolage verursacht. Also macht sich der ganze Tross auf nach Alaska, um dort noch besser, noch freier, noch unbeschwerter zu leben. Aber sie treffen dort auf Waldläufer und andere Aussteiger, die Frauen wehren sich gegen den Sexismus innerhalb der Gruppe, in der die Männer eigentlich nur irgendjemand vögeln wollen und das Leben stellt sich auch sonst als verdammt hart heraus.
Wo Boyle in früheren Werken zu skurriler Überzeichnungen neigte, so findet er in „Drop City“ zu einem ernsthaften Stil, der auf der einen Seite den kalifornischen Traum dekonstruiert, auf der anderen Seite aber den Roman-Figuren eine skurrile Würde zuschreibt und sie nie der Lächerlichkeit Preis gibt. Und ganz im Gegensatz zu seinen anderen Romanen kittet die Liebe die vielen Wunden des eiskalten Alaskas am Ende.
Fazit: Selten wurde die subtile Grenze zwischen Idealismus und Naivität einer Generation so fein beobachtet und mit einem spannenden Abenteuerroman verwoben. Oder wie Elke H. sagen würde: Lesen!

T. C. Boyle: Drop City
Roman
592 Seiten
Verlag: DTV
ISBN: 3-423-13364-3
10 EUR

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