Rezension Max Goldt: Quite Quality

HanfBlatt Nr. 108

Max Goldt: Quite Quality

Als Journalist über ein Buch von Max Goldt eine Rezension zu schreiben, das ist so, als wenn ein Christ über das bisherige Schaffen Gottes urteilen sollte: Vermessen. Oder sehe nur ich das so? Nein, das ist gold(t)ene Wahrheit und vielleicht sollte man tatsächlich ein staatlichen Verbot der Rezension seiner Bücher verordnen, zugleich aber seine Texte zur Pflichtlektüre an deutschen Schulen machen.
Was soll man also überhaupt noch sagen über Max Goldt? Vielleicht: Schande über uns, das Hanfblatt, dem Mann erst in der 108 Ausgabe zu huldigen. Er ist der Herrscher über die deutsche Sprache, viel eindrücklicher, bestimmter und zugleich intelligenter, als es meinetwegen die Sprachpolizisten Wolf Schneider oder Bastian Sick sind. Er ist der Gott der Titanic, ein Meister der Lesung, der Grand Signeur der Groteske. Kein Lob ist zu viel für ihn. Zitate sind nicht erlaubt. Er ist der unfreiwillige Apostel des Kifferhumors. Onkel Max ist der Bewahrer des In-die-Küche-laufens-und-seiner-Freundin-zurufend-“hör-mal-was-er-hier-schreibt“. Alle Bücher lohnen sich, es fing an mit „Ungeduscht, geduzt und ausgebuht“, großartig auch „Quitten für die Menschen zwischen Emden und Zittau“.
Nun also „Quite Quality“, das ist laut Max Goldt alles das, was nicht schreit und spritzt, die ruhige Art des Genießens der stillen Güte, vielleicht. Sein neuestes Buch versammelt wieder einmal Texte aus der Frankfurter Monatszeitschrift „Titanic“. Es besteht kein vernünftiger Grund, den Inhalt seiner Beobachtungen hier auszubreiten, lieber seien einige Lesetipps gegeben: 1. Nie mehr als zwei Texte hintereinander lesen. 2. Einen ruhigen Ort wählen, Musik oder TV ausnahmsweise ausschalten. 3. Langsam, aber Sätze nicht zweimal lesen: Flow.
Fazit: Goldt ist der hosentragende Beweis, dass absurder Kifferhumor völlig nüchtern rüberkommen kann. Er schafft die stete Verdoppelung, das Gemotze über das Gemotze, krass ausgefeilt, rein sprachlich gesehen. Und am Ende kommt raus: Das Aufheben des allgemeinen Realitätszorn und dessen Überführung in die bessere Welt sauberer Speisewagen. Es gibt kaum ein wirksameres legales Mittel gegen schlechte Laune. Ach ja, schön ist auch das Lesezeichenbändchen im Buch. Das nenne ich Quite Quality!
Am Ende doch ein Zitat – aus einem seiner seltenen Interviews: „Meine Absicht ist aber überhaupt nicht, die Menschen zum Lachen zu bringen, sondern schöne und elegante Texte anzufertigen, in dem sich die gesamte emotionale Bandbreite menschlichen Lebens darstellt.“ O.k., noch ein Zitat, dieses Mal aber vom Vermesser der Welt, Daniel Kehlmann, der Unrecht hat, wenn er sagt, „Max Goldt gehört gelesen, gerühmt und ausgezeichnet“. Nein, wir wollen ihn nicht der Masse der brüllenden Fanmeilenbesucher ausgesetzt sehen. Er ist doch glücklich, wir auch, was sollte also der Rummel? Und wer ihn bis jetzt nicht bemerkt hat, ist ohnehin doof, dem ist mit einem Fingerzeig wenig geholfen, ein blinder Nachmacher ist der, jawohl. Von daher darf auch diese Rezension ignoriert werden.

Jörg Auf dem Hövel

Max Goldt: QQ
Rowohlt, Berlin, 2007
Gebundene Ausgabe: 155 Seiten
ISBN-10: 3871345814
EUR: 17,90

Veröffentlicht von

Jörg Auf dem Hövel (* 7. Dezember 1965) ist Politikwissenschaftler und arbeitet als freier Journalist u. a. für die Telepolis, den Spiegel und Der Freitag.

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