Rezension: Peyote und die Huichol-Indianer

HanfBlatt Nr. 101

Die kleine Gemeinschaft der in Nordwest-Mexiko lebenden Huichol-Indianer, die sich selbst Huixáritari (Wischaaritari ausgesprochen) nennen, ist hierzulande Manchem bekannt durch Ihre herrlichen farbenfrohen Garnbilder (teilweise von hohem künstlerischen Wert) und mit bunten Perlen besetzte Kunsthandwerks-Objekte. In deren Zentrum steht oft der Meskalin-haltige Peyote-Kaktus (Lophophora williamsii). Dieser spielt nämlich in der von christlichen Einflüssen noch relativ unberührten Huichol-Kultur eine zentrale Rolle. Das weckte das Interesse durch die psychedelischen 60er Jahre beeinflusster Ethnologen. Leider schlichen sich in dieser Zeit durch die damalige ethnologische Arbeit einige fälschliche Anschauungen der Huichol-Kultur ein, die die meisten Ethnologen heute nicht mehr teilen und korrigieren mussten. Auf der populären Seite trug der Ethno-Scharlatanismus eines Carlos Castaneda (inklusive einer Reihe ähnlich ambitionierter NachfolgerInnen) zu einem Zerrbild dieser Kultur(en) bei, das sich bis heute in den Köpfen ethnologisch Uninformierter festgesetzt hat.

Nicht nur für an exotischen indigenen Kulturen, sondern auch für am sozial integrierten Gebrauch psychedelisch wirksamer Substanzen Interessierte, ist die Beschäftigung mit der Huichol-Kultur spannend und lehrreich. Nun haben wir das Glück, dass uns Christian von Sehrwald, der die Huichol-Kultur seit 1985 beforscht, ein hervorragendes auf seiner Promotionsarbeit von 2002 basierendes wissenschaftliches Werk vorlegt. Einleitend geht der Autor zunächst auf die problematischen Publikationen der sogenannten UCLA-Riege (Furst, Myerhoff, Delgado, Castaneda) ein. Es folgt eine geographische und historische Einordung des Huichol-Siedlungsgebietes. Dann widmet er sich dem Zeremonialzyklus der Huichol mit dem Schwerpunkt auf der Bedeutung und Rolle des Peyote, aber ohne den Bezug zum kulturellen Ganzen, zum Kosmos der Huichol, zu verlieren. Reizvoll ist dabei auch das Einflechten der eigenen Beobachtungen vor Ort. Die Rolle der Schamanen wird beleuchtet.

Es folgt eine kleine Ethnobotanik, die sich besonders auf Peyote und das psychoaktive Nachtschattengewächs Quieri (Solandra maxima) konzentriert. Schließlich geht es um die Krankheitsbilder und Heilungskonzepte der Huichol, sowie um Opfergaben und die daraus entwickelten Kunstobjekte. Ein umfassender Glossar wichtiger Begriffe aus der Huichol-Sprache und eine gute Bibliographie runden das Ganze ab.
Beim Lesen wird doch deutlich, dass sich die Art und Weise, in der die Huichol den Gebrauch des Peyote zu einem integralen Bestandteil ihres komplexen, für uns schwer nachvollziehbaren Weltbildes und ihrer Kultur gemacht haben, so nicht ohne Weiteres als Vorbild für einen entsprechenden Umgang mit Psychedelika in der westlichen kapitalistisch-materialistischen, wohl auch noch immer christlich verbrämten Welt übertragen lässt. Aber da bilde man sich am Besten seine eigene Meinung. Das vorliegende, obendrein schön aufgemachte Werk ist kurz gesagt eine willkommene Bereicherung für jede psychedelische Bibliothek.
P.S.: Das sei allerdings noch besserwisserisch angemerkelt: Die am Rande aufgestellte Behauptung, dass rund ein Drittel aller Arzneien bis ca. 1920 THC-haltige Auszüge enthielten (S.156), wird sich zumindest für den deutschsprachigen Raum, bei näherer Nachprüfung wahrscheinlich nicht einmal für Hühneraugen- und Asthmamittel halten lassen, den letzten größeren und bereits umstrittenen Indikationsgebieten vor der Unterstellung von Cannabis indica unter das Opiumgesetz von 1929.
az

Christian von Sehrwald
„Auf den Spuren der Götter.
Peyote und die Ethnien Nordwestmexikos unter besonderer Berücksichtigung des Zeremonialzyklus der Huichol-Indianer.“
Nachtschatten Verlag, CH-Solothurn 2005
Geb. mit Su., 316 Seiten, mit vielen SW-Abb. und 4 Farbfoto-Tafeln
ISBN 3-03788-113-5

Schreibe einen Kommentar

Pflichtfelder sind mit * markiert.


*