Floating

Die Geschichte

Um einen kleinen historischen Rückblick zu geben, soll hier nicht auf die Forschung zum Reizentzug (sensorische Deprivation) und der Isolation rekurriert werden. Dazu sei auf die Literatur zu dem Thema verwiesen. Wichtiger ist: Die Geschichte des Tanks ist in den Anfängen eng mit seinem Erfindern John C. Lilly verbunden.

John C. Lilly

Lange Zeit glaubten die Wissenschaft, dass bewußte Aktivitäten im Hirn nur Mithilfe von äußeren Stimulationen stattfinden würden. Andere meinten zu wissen, daß das Gehirn auch ohne äußere Reize arbeiten kann. Der Kalifornier John C. Lilly wollte dies experimentell testen. Er prüfte alle Thesen zum Thema Körperreize: Lichteinwirkungen auf das Auge, Klangeinwirkungen auf das Ohr, Berührungen und Druck auf die Haut und die tiefer liegenden Organe des Körpers, auch durch die Schwerkraft. Um einige Reize auszuschalten, reichte ein herkömmliches Schlafzimmer aus, der durch die Schwerkraft bewirkte Druck auf das Bett verursachte allerdings Blutstaus und damit automatische Bestrebungen, die Lage des Körpers zu verändern.

Lilly kam so auf einen abgeschlossenen Behälter, in dem der Körper von Wasser getragen wird und der die richtige Wasser- und Lufttemperatur besitzt. Zunächst teste Lilly einige Atemmasken und hängte den Körper an eine Gummiaufhängung, um das Sinken zu verhindern. Später füllte er den Tank mit Bittersalz (MGSO4), einem Salz, welches noch heute für das

Schnell wurde Lilly klar, daß das Hirn sich selbst motiviert. Und er machte eine zweite Entdeckung: Die Apparatur verhalf ihm zu unbekannter Entspannung. Sie eignete sich gut, um sich vom Streß zu lösen, ja "zwei Stunden etwa dem Erholungswert von acht Stunden Schlaf im Bett entsprachen, wobei diese Stunden nicht einmal schlafend verbracht werden mußten" (LILLY 1984:92). Zusätzlich lernte er, verschiedenen Zustände im Tank einzunehmen. Er war in der Lage "auf Wunsch Tagträume und Halluzinationen abzurufen, er konnte Ereignisse der inneren Realität in Gang setzen, die von einer solchen Brillianz und `Wahrhaftigkeit´ waren, dass man sie ohne Schwierigkeiten mit den Ereignissen der Außenwelt verwechseln konnte." (LILLY 1984:92)

Kurz darauf entschloß sich Lilly, das Bewußtsein von Delphinen zu erforschen. Zugleich interessierten sich auch das amerikanische Militär für seine Forschung im und am Tank; man arbeitete an neuen Methoden der Gehirnwäsche für Kriegsgefangene. Um von regierungsnahen Stellen unabhängig zu sein, gründete er ein eigenes Labor. Teile der Psychologie experimentierten damals mit Programming and Metaprogramming in the Human Biocomputer (hier das zweite Kapitel des Werkes)", erschien 1971 sein Report über diese Versuche. Sehr verkürzt geschrieben, präsentiert Lilly hier "sein" Metaglaubenssystem über die internale Realität: Der Bewußtseinsinhalt des Geistes ist "programmierbar", veränderbar. Der oft zitierte Satz: "In der Provinz des Mindes ist das wahr, was ich als wahr erachte."

John C. Lilly mit Tank

Hier seine Stimme mit dem Satz: "In the province of the mind, what one believes to be true, either is true or becomes true within certain limits to be found experientially and experimentally. These limits are further beliefs to be transcended. In the province of the mind there are no limits." als wav-Datei, 156 KB. Auf gut Deutsch: "Im Bereich des Geistes ist das wahr oder wird wahr, was man für wahr hält, und zwar innerhalb von Grenzen, die empirisch und experimentell feststellbar sind. Diese Grenzen sind zukünftige Überzeugungen, die transzendiert werden müssen. Im Berich des Geistes gibt es keine Grenzen." 1978 ergänzte er obigen Satz: "However, the body introduces defenite limits."

Wer es genauer wissen will: Hier ein Link für den kompletten Text des Buches Programming and Metaprogramming in the Human Biocomputer (300k) und eine Kurzdarstellung der von ihm definierten "levels of the human biocomputer".

LSD war inzwischen zum medialen Ereignis geworden - von den einen als Schlüssel zum höheren Bewußtsein gefeiert, bei anderen zum Objekt der Paranoia avanciert. Im Rahmen der staatlichen Repressionen gegen LSD mußte auch Lilly seinen Vorrat an Sandoz zurückschicken.
Am Esalen Institut in Big Sur, Kalifornien, USA, verbrachte er achtzehn Monate und lernte dort weitere Methoden der Bewußtseinsveränderung. Dort war es auch, wo er mit "Vitamin K" (Ketamin) in Verbindung kam; einer Substanz, die ihn vor neue Herausforderungen stellte, ihn (wieder) mit seinen "inneren Wächtern" in Verbindung brachte.

Kurz darauf begab sich Lilly nach Chile, um dort das Arika-Training von Oskar Ichazo aufzunehmen. Dort traf er seine spätere Frau, Toni. Mit ihr schrieb er das Buch, "Der dyadische Zyklon".

Lillys Arbeit mit den Delphinen hat zu wichtigen Ergebnissen für die Wissenschaft geführt. Trotz aller Zuversicht ist es ihm allerdings noch nicht gelungen, eine weiterreichende Kommunikation zwischen Mensch und Delphin zu organisieren.

1983 erschien in der Zeitschrift "Omni magazine" ein ausführliches Interview mit Lilly. Er spricht über seine Arbeit mit den Delphinen, seine Erfahrungen im Tank, seinen Glauben, seine Kritiker und die Wissenschaft. John C. Lilly verstarb am 30. September 2001.
Hier ist ein weiteres (langes) Interview mit ihm.

Sie wollen mehr über John C. Lilly erfahren? Dann klicken Sie hier für eine Biographie des Forschers, die bis 1990 reicht.

Wenn sie John C. Lilly mit einigen Sätzen hören wollen, dann klicken Sie hier für eine (wav-Datei, 349 KB). "I feel that I am merely an agent, giving you some keys, which have been given to me, to pass on to you. These keys are to unlock doors out of your present prison, doors opening on new vistas, doors beyond where you are now!"

Die Werke von John C. Lilly hier in einer Bibliographie.

Neue Entwicklungen

Mit der Wellness-Welle ist das Interesse am Floaten in Deutschland wieder angestiegen. Einige Kurzentren und Wellness-Anlagen bereichern ihr Angebot durch die Aufstellung eines Floatariums. Die Betreiber dieser öffentlich zugänglichen Floatarien nabeln sich zunehmend von der Vorgeschichte des Tanks und dem "Übervater" John C. Lilly ab. Das Programm "Wellness" lässt wenig Platz für tiefere Selbsterfahrungen, geschweige denn für "Meta-Programmierungen" der Persönlichkeit. Der allgemein entspannende Aspekt des Floatens tritt in den Vordergrund. Ein Zeichen der Wellness-Ära sind auch die Float-Rooms, wie sie mittlerweile von einigen Hersteller angeboten werden (s. näheres unter "Hersteller").

Auf der anderen Seite ergeben sich neue, wissenschaftlich und medizinisch geprüfte Anwendungen, einige Kliniken wenden beispielswiese den Tank in der rheumatischen Schmerztherapie an. Der 2009 gegründete Deutsche Floating Verband sieht eine seine Hauptaufgaben in der Etablierung medizinischer Forschung.

Die zukünftige Aufgabe wird sein, alle drei Stränge (Wellness, medizinische Anwendung, Selbsterfahrung) für sich sowie Kooperationen zwischen den Bereichen zu fördern. Die Potentiale des Floatens sind lange noch nicht ausgeschöpft.