Floating

Was ist Floating? Und was ist ein Floating-Tank?

Nun, der ursprüngliche Floating-, oder auch Samadhi-Tank (auch Entspannungs- oder Isolationstank genannt) ist ein gegen Licht und Geräusche abgeschotteter Raum, welcher Menschen in seinem Inneren auf konzentriertem Salzwasser liegen lässt. Der Mensch schwebt auf dem hautwarmen Wasser, hört und sieht aber NICHTS. Die früheren Floating-Tanks waren große Boxen und erinnerten manchen Betrachter an Särge, die neueren Floatarien sind formschöne Objekte.

Floating-Tank

Der Gehirnforscher John C. Lilly entwickelt den Floating-Tank 1954, das Floating wurde in den folgenden Jahrzehnten an amerikanischen Universitäten in Forschungsprogramme miteinbezogen und über ein weites Spektrum getestet. Vielfältige Einsatzgebiete ergaben sich: Reduktion von Stress, Behandlung chronischer Schmerzen, Suchtentwöhnung, "Superlearning" und vieles mehr. Der Tank ist vor allem ein hervorragendes Instrument zur Selbsterkenntnis, welches zudem den Vorteil birgt, neutral zu sein. Hier existiert eine Methode, ohne die Übernahme eines fremden Glaubenssystem das eigene Selbst besser kennen zu lernen.

Bevor die Geschichte des Tanks rekonstruiert wird, erst einmal etwas zu unserem früheren Gerät. Vor gefühlten Jahrzehnten kauften Olaf Jaeckel und ich den Floating-Tank. Er stand im Herzen Hamburgs, gleich hinter dem Michel, der Hauptkirche der Stadt. In einem Raum lagerten wir das Modell auf sechs Autoreifen und einer Holzplatte. "Rustikal", wird mancher denken, aber damals ging es uns weniger um ästhetische Ansprüche. Diese Maßnahme ergriffen wir, um eventuell auftretende tiefe Frequenzen durch U-Bahnen oder Schwerlastverkehr zu absorbieren. Der Erfolg gab uns recht: Wir hörten nichts im Tank. Eine von Lilly vorgeschlagenen Absorbtion ist die dreifach Kombination von einer Gummi-, dann einer Stahl- und wieder einer Gummiplatte.

Unser Modell hatte Holzaußenwände, dann Styropor, dann der "Gummibeutel", in dem das Wasser schwimmt. Das Innenmass betrug 2.20 Meter x 1.25 Meter. Dies ist genug Platz, um seine Ruhe zu haben, aber: Je nachdem wie ruhig frau sich verhält, stößt frau auch an die Wände. Die Kunstofftür ist gross und natürlich weder von aussen noch von innen abschliessbar. Die Vergangheitsform deutet darauf hin, dass wir den Tank heute nicht mehr haben. Die Interessen haben sich verlagert, gleichwohl floaten wir noch regelmäßig. Aber weiter mit der Technik:

Im Tank befinden sich rund 500 Liter Wasser. Diese sind mit rund 350 Kilo Salz gesaettigt (Dichte 1,30, technische Einzelheiten hier).

Schon bei Berührung des Wasser war und ist zu spüren, dass es schwerer, fast gallertartig ist. Die Wassertiefe betraegt mindestens 20 cm. Diese Tiefe lässt selbst Menschen mit Steissbeinfett den Grund nicht beruehren. Im Tank haengt eine kleine Lampe, die von außen steuerbar ist: Nach der vorher eingestellten Zeit springt sie an. Zwei Lautsprecher hatten wir auch installiert, Musik zum aus- und einsteigen war möglich. Den Raum hatten wir mit Tüchern an den Wänden isoliert, wir hielten die Raumtemperatur konstant bei 22 Grad Celsius. Damit hält auch das Tankwasser leichter seine vorgeschriebene Temperatur zwischen 33.9 und 34.4 Grad Celsius (Hautaußentemperatur).

Erwärmt wird das Wasser durch einen Wasserkreislauf, der unter dem Tankwasser in einer Matte fließt. Ein handelsüblicher Boiler heizt das Wasser auf, ein Fühler misst die Temperatur und ein Steuerpult reguliert, wann die Wasserkreislaufpumpe anspringt. Es gibt auch Tank-Modell mit elektrischer Heizung unter dem Wasser, wir waren allerdings froh, mit Wasser zu heizen. Gereinigt wurde das Salzwasser täglich (nachts) für drei Stunden. In dieser Zeit fördert die Pumpe (400 l/h) den kompletten Tankinhalt durch den Aktiv-Kohle-Filter. Fuer gering frequentierte, private Nutzung reicht dieser Filter aus, bei einer gewerblichen Nutzung müsste man einen größeren, effektiveren Filter benutzen. In regelmaessigen Abständen chloren wir das Wasser und messen Dichte und ph-Wert. Die Luftzufuhr wird durch einen kleinen Ventilator gewaehrleistet, der Luft über eine Glühbirne bläst, die dann erwärmt durch ein Rohr im Tank landet. Sehr rustikal, aber durchaus funktional.

Die heute auf dem Markt angebotenen Floatarien und Float-Räume sind allesamt viel moderner aufgebaut und eingerichtet. Sie arbeiten zum Teil mit moderner Schwimmbadtechnik. Noch entscheiden die verschiedenen Gesundheitsämter im Einzelfall über die einzuhaltenden Hygieneparameter.

Da jeder vor und nach dem Floaten duscht, sollte die Dusche schnell erreichbar sein. Wir mussten ein paar Meter überwinden, bevor wir im warmen Nass stehen. Nach dem Duschen gab es die Möglichkeit, in einem Raum zu Entspannen. Dies wird in einigen modernen Float-Anlagen vernachlässigt. Wir halten aber die kurze Entspannungsphase nach dem Floaten für so wichtig, dass wir sogar davon abraten, aus dem Tank direkt in den Alltag zu laufen. 15 Minuten, ein Tee, optimal ist der Blick ins Grüne.

Persönliche Erfahrungen mit FreundInnen, die unter Neurodermitis leiden, zeigten, dass die Aufenthalte im Tank die Haut sehr geschmeidig machen. Nach anfänglichem Brennen war bisher jede(r) NeurodermitikerIn begeistert von der Wirkung des Floatens.

Ein oft gehoertes (Vor)Urteil konnte schon mehrmals widerlegt werden: Die Angst, im Tank unter Beengungsangst zu leiden. "Unvorstellbar, in einem solchen Sarg zu liegen", sagen die Leute zuerst oft. Nach einer kleinen Überwindung oder eventuell einer oder zwei Sitzungen mit geöffneter Tanktuer kamen die FloaterInnen bisher immer zu dem Schluss, dass nirgendwo so viel Platz ist wie im Tank.

Tipp: Wer mit dem Gedanken spielt, selber einen Tank zu kaufen, dem sei hier geschrieben: Anfaengliche Ängste, dem Aufbau eines Bausatzes nicht gewachsen zu sein, haben sich als unbegründet herausgestellt. Sicher, frau kann sich ein teures Modell kaufe, welches mit Unterwassermassageduese, Bildschirm u.ä. aufwartet. Wer – wie wir – die preiswertere Variante (gezwungenermaßen) bevorzugt, ist auch mit einem gebrauchtem Modell gut bedient. Denn Hauptsache: es ist still und dunkel. Der vergleichsweise simple Aufbau eines Floatariums spornt immer wieder Menschen zum Selbstbau an, wie ich aus zahlreichen Reaktionen auf diese Seite erfahren habe. Das ist natürlich erfreulich. Die Eingliederung der Floatarien in moderne Wellness-Anlagen ist eine ebenso positiv zu bewertende Entwicklung. Hier können ästhetische Ansprüche erfüllt werden, der Kunde kann insgesamt noch weicher gebettet werden, sei es durch Zusatzanwendungen, sei es alleine durch die Einrichtung.

Wir hatten unseren Tank in einer Zeitungs-Anzeige entdeckt. Unser Modell war eines der ersten Geräte, die die Firma "Senmai" gebaut hat. Es lief immer gut. Die Wartung des Tank stellte sich auch nicht als besonders schwierig heraus, die laufenden Kosten (Miete, Strom, ab und zu Salz nachfüllen, usw.) sollten vorher gut kalkuliert sein, denn wenn man den Tank nicht im eigenen Heim stehen hat und in nicht kommerziell nutzt, ist er ein teures Hobby. Wir hatten uns mit mehreren Leuten zusammengetan, um diesem Hobby etwas preiswerter froenen zu koennen.

Ach ja, früher nannte man das Gerät "Samadhi-Tank". Das Wort "Samadhi" kommt aus dem Sanskrit und bezeichnet den Zustand, wenn Beobachter und das Beobachtete zusammenfallen, eine ziemlich hohe Stufe der Meditation und wohl auch das mit Worten nicht beschreibbare.

Es würde an dieser Stelle zu weit führen, über unsere weitergehenden Erkenntnisse mit und durch den Tank zu berichten. Zum einen würde dadurch eine Erwartungshaltung aufgebaut, die, wie unten noch ausgeführt wird, nur bedingt dienlich für eine Arbeit mit dem Floatarium ist, zum anderen scheinen sie uns nicht relevant, nicht verallgemeinerungsfähig genug, um hier Platz zu nehmen.

Wer an weitergehenden Informationen zu technischen Details (Luftversorgung, Dichte der Lösung, Konvektionsströme, Filtern etc.) interessiert ist, den sei auf das 10. Kapitel aus "The Deep Self" von John C. Lilly verwiesen. Die am Ende des 10. Kapitel aufgestellten Regeln fuer das Floaten sind in unsere Arbeit miteingeflossen und bestätigt worden.