Marihuana Mythos 8 – „Marihuana verursacht Hirnschäden“

Marihuana Mythen – Marihuana Fakten

Teil VIII

Unsere mehrteilige Serie klopft weiter auf die wild wuchernden Marihuana-Mythen. Die verwelkten Blätter mangelhafter wissenschaftlicher Arbeit fallen herab, übrig bleiben nur die gesunden Triebe nachvollziehbarer Forschungsarbeit.

Wie sieht es tatsächlich aus: Welchen Nutzen und welche Schäden kann der Konsument von Cannabis aus den pflanzlichen Wirkstoffen ziehen? Wo liegen Gefahren für Körper und Geist, wo Chancen für ihre Genesung? Der achte Teil überprüft die Behauptung:

„Marihuana verursacht Hirnschäden“

„Doch, ich bin Napoleon“, sagte der eingelieferte Dauerkiffer, als man ihn eine Beruhigungsspritze verpaßte. So oder ähnlich muß man sich wohl das ausgemalte Bild dieses Mythos vorstellen. Um die Frage, ob Marihuana das Gehirn schädigt, schwelt seit Jahrzehnten die wissenschaftliche Kontroverse. In den siebziger Jahren wollten mehrere Studien nachgewiesen haben, das das Denkorgan von Cannabis-Konsumenten schlechter funktioniert als das von Abstinenzlern. Das Beeinträchtigen der Hirnzellen verursache, so diese Meinung, einen Verlust an Gedächnisleistung, kognitive Fehlleistungen und Probleme beim Lernen. So, so. „Ladies and Gentleman, we proudly present the hippest Boygroup in town:“

 

„THE FACTS“

 

Noch nie öffneten Forscher den Schädel eines Kiffers oder einer Kifferin. Wohl geschah dies aber bei Affen: Eine immer wieder zitierte Studie, die Hirnschwund nach dem Cannabis-Konsum feststellte, stammt aus den siebziger Jahren und wurde von R.C. Heath durchgeführt. Die Primaten durften den Rauch dreier Joints am Tag inhalieren. Heath entdeckte nach drei Monaten abnorme elektrische Funkbotschaften. Als er den grauen Schmalz der Rhesus-Affen examinierte, fielen ihm anatomische Veränderungen auf. Der synaptische Spalt (hier queren Informationen über chemische Botenstoffe das Gehirn) war geweitet, einzelne Synapsen waren verklumpt. Leider bestach die Untersuchung nicht gerade durch eine nachvollziehbare Versuchsaufbau. Gleich mehrere Verfahrensfehler kreideten andere Wissenschaftler Heath in der Folgezeit an: Eine Vergleichsgruppe fehlte, zudem litten die Pelztiere an akutem Sauerstoffmangel. Gerade dieser führt aber zu Schäden im Organ. Heath wollte bei den Affen eine panikartige Reaktion aufgrund des Grasrauchens festgestellt haben. Spätere Forschungsarbeiten wiederholten der Versuchsaufbau und kamen zu dem Ergebnis, daß die Affen weniger durch das Cannabis, als vielmehr durch die Situation des Experiments geschockt waren. Die Ergebnisse von Heath konnten auch in ihren anderen Bereichen später nicht bestätigt werden. In den USA wollte man es genau wissen und nahm die Forschung von Heath zum Anlaß, unter dem Titel „Marihuana and Health“ (1982) eine ganze Reihe von Experten zu Wort kommen zu lassen. Heath´s Arbeit wurde scharf kritisiert, ja demontiert.

Eine andere Studie, die ebenfalls in den siebziger Jahren für Aufsehen sorgte, ist die Arbeit von A.M.G. Campbell (in: Lancet 1971). Die Medien berichteten von „Hirnschrumpfung bei Kiffern“. Campell und seine Kollegen hatten zehn starke Cannabisraucher unter die Lupe genommen und Zeichen von Hirnschwund entdeckt. Nur stammten alle Subjekte ihres Forschungseifers aus einen psychatrischen Krankenhaus, die Hälfte war schizophren, drei hatten Kopfverletzungen erlitten, einer oder zwei waren Epileptiker. Zudem war von allen bekannt, daß sie Opiate, Beruhigungsmittel und andere Medikamente konsumiert hatten.

Fest steht: Der Zusammenhang von pharmazeutischen Agenten, dem menschlichem Hirn und dem Verhalten ist komplex. Schon der Nachweis einfacher Zusammenhänge bedarf diverser Experimente. Vereinfachungen aller Art verbietet damit eigentlich das wissenschaftliche Ethos. Aber natürlich greift der Rauschhanf, wie andere Substanzen auch, in die Funktion des Hirnes ein. Nur so entsteht der Rausch, die Veränderung der subjektiv erlebten Wirklichkeit. Fraglich ist halt nur, ob das bleibende oder gar schädliche Wirkungen hat.

Einigkeit herrscht darüber, daß das Lernen unter akutem Cannabiseinfluß weitaus ineffektiver ist. Und unbestritten ist auch, daß das Kurzzeitgedächnis erhebliche Einbußen hinnehmen muß. Dies kristallisierte sich in der Costa-Rica Studie ebenso heraus wie in einer Arbeit von R.H. Schwarz aus dem Jahre 1989. Abseits aller Wissenschaft ist dies eine Erfahrung, die wohl jeder erfahrene Kiffer bestätigen kann. Daß sich diese Beeinträchtigung aber, wie eine andere Untersuchung behauptet, bei starken Kiffern bis zu drei Monaten hinziehen kann, bleibt indes umstritten.

Der überwiegende Teil der Erhebungen und Laborexperimente, die Kiffer und Abstinenzler beäugten, fand keine Unterschiede in den kognitiven, intellektuellen oder wahrnehmenden Funktionen zwischen den beiden Gruppen. Dies gilt vor allem für die moderaten Kiffer, die nicht mehr als drei Joints pro Woche rauchen. Erst bei höheren Dosierungen ist es möglich, daß das heilige Kraut tatsächlich bleibende Schäden hinterläßt. In den meisten Fällen bleibt es aber schwierig, die Veränderungen im Denkschmalz eindeutig dem Cannabis zuzuweisen. Zumeist spielen auch andere Faktoren eine gewichtige Rolle, wie beispielsweise soziale Schichtzugehörigkeit, Bildung und Alkoholkonsum.

Neuere Forschungen (Varma u.a., 1988) maßen Intelligenz und Erinnerungsvermögen und konnten nicht ergründen, daß Kiffer und Kontrollgruppe sich unterschieden. Diese Ergebnisse decken sich mit zwei Studien, die die US-amerikanische Regierung bereits 1972 (National Institute of Mental Health) und 1980 (National Institute on Drug Abuse) führte.

Gerade die neuen Entwicklungen auf dem Gebiet der Computertomographie liefern einen tieferen und gründlicheren Blick in das menschliche Denkorgan. M. Herkenham konnte damit 1990 die Rezeptoren im Hirn lokalisieren, an denen die Cannabinoide andocken. Er sagt offen, daß es trotz der Lokalisierung der Cannabis-Rezeptoren auch weiterhin unmöglich sei, psychologische Reaktionen vorherzusagen. Der Hanf besitzt in dieser Hinsicht kein genaues Wirkungsspektrum, wie beispielsweise Opiatderivate oder die bei der Bekämpfung von Schizophernie eingesetzten Neuroleptika. Herkenham und andere Forscher rufen aus diesem Grund zur Vorsicht auf, denn auch die oft genannten Einsatzgebiete des medizinischen Hanfs stehen auf den tönernen Füßen der genauen Kenntnis der Auswirkungen auf das zentrale Nervensystem und das Gehirn.

Die durch Computertomographie gewonnen Daten lassen keinesfalls des Schluß zu, daß das Hirn eines Kiffers schrumpft. J. Kuehnle scannte den Kopfinhalt von 19 Hardcore-Kiffern und konnte keine Schäden entdecken.

In der Studie von M. Fink (u.a., 1976) wurden in Griechenland 47 chronische Haschisch-Konsumenten erforscht. In ihren Hirnen fanden sich ebenfalls keine Abnormalitäten.

Berücksichtigt man die neurochemischen Daten von Tierversuchen, klinischen Fallstudien, empirischen Erhebungen, kontrollierten Laborstudien und Feldversuchen kann gesagt werden, daß Beeinträchtigungen des Hirns zwar möglich sind, bei einem kontrollierten Umgang aber äußerst unwahrscheinlich.

Jörg Auf dem Hövel

 

Veröffentlicht von

Jörg Auf dem Hövel (* 7. Dezember 1965) ist Politikwissenschaftler und arbeitet als freier Journalist u. a. für die Telepolis, den Spiegel und Der Freitag.

1 Kommentar » Schreibe einen Kommentar

  1. Guten Tag,

    Cannabis macht extrem gleichgültig und verursacht auf lange Sicht Einsamkeit, da die Mitmenschen einem egal werden und man einfach einsam und zurückgezogen lebt. Durch die Einsamkeit fängt man an sehr viel nachzudenken und man fängt irgendwann an extreme Selbstgespräche zu führen. Zuerst finden diese Selbstgespräche nur im Gehirn statt, später kann man sich nicht mehr wehren und diese Selbstgespräche werden zu unkontrollierten lauten Gesprächen bis hin zu unkontrollierten kichern. Desweiteren macht Cannabis einen sehr matt und müde. Durch die Einsamkeit und Müdigkeit werden starke Depressionen verursacht. Ich spreche aus eigener Erfahrung. Mir ist aber auch bekannt, dass diese Symptome nach einiger Zeit wieder verschwinden, nachdem man aufgehört hat Cannabis zu rauchen. Desweiteren ist das Krebsrisiko stark erhöht, da man Tabak ohne Filter raucht. Desweiteren verursacht der THC-Rausch starke Konzentrationsstörungen solange man breit ist. THC ist eine Fettlösliche Chemikalie. Das bedeutet der Menschliche Körper kann THC nur extrem schwer abbauen, da wir teilweise nur aus Wasser bestehen und THC nur durch Fett gelöst werden kann. Dadurch kann es Jahre lang dauern bis das THC wieder aus dem Körper ist. Es ist auch denkbar, da THC nur fettlöslich ist, dass das THC auf Neugeborene übertragen wird und dann ein Baby mit THC im Blut zu Welt kommt.

    Mit freundlichen Grüßen

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